Reinhard's Journals

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Nanon Aquarium / Garnelen

Ich bin - glaube ich - vom Nano-Fieber, auch bekannt unter fibrae garnelis, befallen. Die Erreger befinden sich meist in Zoogeschaeften und werden manchmal auch ueber das Internet verbreitet. Ausgeloest wird die Erkrankung haeufig durch zu nahen Kontakt mit quadratischen, wassergefuellten Glasbehaeltern, oft mit Flora und Fauna bestueckt.
Es ist keine Heilung bekannt. Erleichterung schafft lediglich, sich so oft wie moeglich in der Naehe eines oder mehrerer der oben beschriebenen Glasbehaelter aufzuhalten. Da dies meist nur in den eigenen vier Waenden moeglich ist werden von den Befallenen diese Glasbehaelter entweder gekauft oder gebaut.
Im Normalfall hat der Behaelter nur mit Wasser gefuellt eine wenig befriedigende Wirkung. Es wird von fast allen Betroffenen berichtet das nach einer Weile der Drang einsetzt mit Kies und anderem "Substrat" sowie geeigneten Pflanzen eine Landschaft zu formen. Wird diesem Drang nachgegeben stellt sich eine voruebergehende Erleichterung ein und ein Rueckgang der Symptome (unruhiges Auf-und Ablaufen, wiederholte, zwanghafte Besuche von Zoogeschaeften, schlechte Traeume, etc.) ist zu beobachten.
Allerdings werden die o.g. Symptome nun sehr bald ersetzt durch das Zwang den genauen Zustand des Wassers in dem Glasbehaelter zu ermitteln. Dabei haben geringste Abweichnung der sog. Normwerte oder optimalen Werte teilweise Depressions-aehnliche Zustaende zur Folge. Werden andererseits die Werte fuer gut befunden stellt sich bei dem Erkrankten eine fast augenblickliche Euphorie ein. Diese Euphorie leitet das naechste Stadium der Krankheit ein: Das Beduerfnis nach tierischem Leben in dem Glasbehaelter.
Untersuchungen haben gezeigt das eine Behandlung mit Placebos (Plastik-Garnelen, Schnecken aus Keramik oder aufblasbare Minifische) in fast keinem Fall irgendeinen Erfolg gebracht hat. Auch eine homeopathische Herangehensweise hat sich als nicht sehr erfolgreich erwiesen. Eine Garnele auf 30-50 Liter Wasservolumen haben in einigen Faellen zu einer Verschaerfung der Symptome gefuehrt.
In diesem Stadium der Krankheit sind wieder die zwanghaften Besuche in Zoologischen Handlungen sowie der Aufenthalt in Online-Shops und Internet Foren zu beobachten.
Erst wenn sich eine genuegend grosse Anzahl von Garnelen und/oder Schnecken (manchmal koennen auch kleine Fische hilfreich sein) in dem Glasbehaehlter befinden reduzieren sich die Symptome auf ein ertraegliches Mass und der/die Betroffene kann -zumindest voruebergehend- ein normales Leben weiterfuehren.
Allerdings muss jedem klar sein dass das eigene Wohlbefinden in einer fast symbiotischen Weise vom Wohlbefinden und Zustand des Bitotops in dem Glasbehaelter abhaengt. Dabei ist die Bandbreite der physischen und psychischen Zustaende die der/die Betroffene durchlaeuft einer breiten Skala zuzuordnen:
Solange das Biotop gedeiht und gesund befindet sich der Erkrankte ist in einem relativ ausgeglichenen Zustand und fuehrt ein sog. "normales Leben". Allerdings ist dieser Zustand sehr labil.
Zeigen sich Schwankungen im Zustand des Biotops, oder sogar Ausfaelle bei der Flora oder (katastrophal) bei der Fauna die nicht auf einen natuerlichen Ausleseprozess wie z.B. Altersschwaeche zurueckzufuehren sind wird das (unausweichlich) eine psychische und physische Reflektion im Befinden des Erkrankten zur Folge haben. Das kann bis zu panikartigen Zustaenden fuehren und geht immer einher mit extremen Stress-Symbolen. In diesem Zustand ist der Erkrankte verstaerkt suizid-gefaehrdet und benoetigt ausreichend Aufmerksamkeit und Zuspruch von den diversion Online-Foren. Meist fuehren diese Gespraeche und die dabei weitergegebenen Tips zur Ursachenbehandlung zu einer schnellen Reduzierung der Stress-Symptome. Je mehr sich das Biotop erholt desto mehr naehert sich der Erkrankte auch wieder einem ausgeglichenen Gemuetszustand.
Auch das andere Extrem ist nicht ungewoehnlich. So fuerhen die ersten Erfoge im Bereich der Reproduktion bei Fauna und Flora zu aussergewoehnlichen Hochgefuehlen bis hin zur Eurphorie. Das dadurch erhoehte Mitteilungsbeduerfnis kann wieder durch ein Online-Forum kanalisiert werden. Dabei ist positives Feedback wichtig und hilft dem Erkrankten diese manische Phase gut abzufedern. Eine leichte Gewoehnung an diesen Effekt ist beobachted worden und kann auch gezielt erreicht werden z.B. bei Besatz des Habitats mit Garnelen die sich wie die Karnkel vermehren.

Bisher wurde -trotz vermehrter Bemuehung- noch kein Medikament gefunden das sich bei fibrae garnelis als wirksam erwiesen haette. Es sind dem Autor auch keine Spontanheilungen bekannt. Lediglich bei oben genannter Vorgehensweise kann eine gewisse Erleichterung und auch Gewoehnung erreicht werden.
Noch hat fibrae garnelis keine epidemische Verbreitung erreicht, aber es ist auf dem besten Weg dazu.
Forschungen und Selbstversuche sind angelaufen und werden weitergefuehrt.

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